
Mehr Extremismus in NRW: Zahl politischer Straftaten steigt deutlich
Die Sicherheitslage in Nordrhein-Westfalen verschärft sich spürbar. Neue Zahlen zeigen: Extremismus nimmt zu und internationale Krisen wirken bis ins Land hinein.
Veröffentlicht: Donnerstag, 16.04.2026 11:14
Das ganze Interview mit Innenminister Reul
Deutlicher Anstieg bei politisch motivierter Kriminalität
Die Zahl politisch motivierter Straftaten ist in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Insgesamt wurden mehr als 13.600 Fälle registriert - ein Plus von rund 27 Prozent.
Die Entwicklung zeigt sich über mehrere Bereiche hinweg: Sowohl links- als auch rechtsextreme Straftaten haben zugenommen. Gleichzeitig bleibt auch religiös motivierter Extremismus eine Herausforderung für die Sicherheitsbehörden.
Internationale Krisen wirken bis nach NRW
Nach Einschätzung von NRW-Innenminister Herbert Reul hängen diese Entwicklungen eng mit globalen Konflikten zusammen. Im Gespräch mit José Narciandi, dem Leiter unseres Landtagsstudios, erklärt Reul, warum sich internationale Spannungen auch im Inland bemerkbar machen:
„Dass die Konflikte in der Welt zunehmen, dass die Menschen in Deutschland sensibler werden, unsicher werden, das Vertrauen in den Staat ein Stück verlieren, da kommt, glaube ich, eine ganze Menge zusammen.“
Reul macht deutlich: Die Auswirkungen seien längst im Alltag angekommen und kein kurzfristiges Phänomen.
Extremismus wird digitaler und schwerer greifbar
Auch Jürgen Kayser, Chef des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, sieht eine grundlegende Veränderung. Extremistische Gruppen würden zunehmend auf digitale Strategien setzen und gezielt junge Menschen ansprechen.
Im Interview beschreibt Kayser die neuen Methoden so:
„Wir stellen in allen Extremismusbereichen fest, dass sehr stark auch auf Social Media gesetzt wird, um eigene Themen nach vorne zu bringen. Aber dabei vor allen Dingen nicht klassische extremistische Themen.“
Die Ansprache erfolge oft indirekt über Themen wie Gemeinschaft, Sport oder gemeinsame Erlebnisse.
Neue Bedrohungen durch digitale Netzwerke
Neben klassischer Radikalisierung beobachten die Behörden auch neue Formen der Einflussnahme. Dazu gehören gezielte Desinformation, aber auch sogenannte „Taschengeldagenten“, die für kleine Summen Aufgaben wie Ausspähen oder Vorbereitung von Sabotage übernehmen.
Diese Entwicklungen stellen die Sicherheitsbehörden vor neue Herausforderungen vor allem, weil viele Aktivitäten im digitalen Raum stattfinden und schwer zu erkennen sind.
Sicherheitsbehörden setzen auf Prävention und Zusammenarbeit
Um auf die veränderte Lage zu reagieren, setzen die Behörden verstärkt auf Prävention, Aufklärung und bessere Zusammenarbeit. Ziel ist es, Radikalisierung frühzeitig zu erkennen und demokratiefeindliche Entwicklungen einzudämmen.

