Wissen : Doch keine Aliens: Arsen fressende Bakterien sind irdisch

am 09. Juli 2012 um 15:32 Uhr

Washington (dpa) Bakterien, die statt Phosphor giftiges Arsen in ihre Zellbestandteile einbauen - mit dieser Entdeckung hatten US-Forscher 2010 für Aufsehen gesorgt.
Bakterien unter dem Elektronenmikroskop. Bakterien, die ein giftiges Element in ihrem Stoffwechsel nutzen, hatten vor eineinhalb Jahren für Aufsehen gesorgt. Foto: EPA/SCIENCE/AAAS / Archiv

Bakterien unter dem Elektronenmikroskop. Bakterien, die ein giftiges Element in ihrem Stoffwechsel nutzen, hatten vor eineinhalb Jahren für Aufsehen gesorgt. Foto: EPA/SCIENCE/AAAS / Archiv

Doch zwei neuen Studien zufolge sind die vermeintlichen Exoten eine ganz normale Lebensform, die Arsen lediglich tolerieren - aber keineswegs den lebenswichtigen Phosphor damit ersetzt. «Konträr zu den Original-Ergebnissen zeigt die aktuelle Forschung, dass das Bakterium GFAJ-1 Arsen nicht statt Phosphor verwerten kann», schreibt das Fachmagazin «Science» in einem Statement.

Das Bakterium hatten US-Forscher im arsenhaltigen Schlamm des amerikanischen Salzsees Mono Lake gefunden. Arsen ist für die meisten Lebewesen hochgiftig - weil es dem Phosphor chemisch sehr ähnelt. Der Stoffwechsel kann die beiden Elemente in ihrer biologisch aktiven Form nicht auseinanderhalten. Wird Arsen anstelle von Phosphor aufgenommen, funktionieren zentrale biochemische Vorgänge nicht mehr.

Eine Lebensform, die Arsen anstelle von Phosphor in seine Fette, Proteine und sein Erbgut einbauen kann, wäre eine Sensation. «Wir haben die Tür einen Spalt weit geöffnet und sehen, was auch andernorts im Universum möglich ist», jubelte bei der Vorstellung der 2010 in «Science» veröffentlichten Studie Felisa Wolfe-Simon vom Astrobiologie-Institut der Nasa.

Die Gruppe hatte herausfinden wollen, ob Leben auch mit anderen als den sechs essenziellen Elementen Phosphor, Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Schwefel und Sauerstoff möglich ist. Im Labor erhöhten die Forscher die Arsen-Konzentration des Substrats, bis nur Winzlinge übrigblieben, die unter diesen Bedingungen noch wachsen konnten: Bakterien des Stamms GFAJ-1 aus der Familie der Halomonadaceae.

«Es handelt sich um irdisches Leben, aber nicht um Leben, wie wir es bisher kennen», erklärte die Astrobiologin Mary Voytek von der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa damals. Das verwendete Substrat enthalte zu wenig Phosphor, als dass die Bakterien damit überleben könnten - an seiner Stelle müsse Arsen eingebaut werden, so die Annahme der Forscher. Die Nasa hatte im Vorfeld eine Entdeckung angekündigt, die «Auswirkungen auf die Suche nach Beweisen für außerirdisches Leben haben wird». Der Wirbel vor allem im Internet war immens.

In «Science» zeigen Forschergruppen der ETH Zürich und der Princeton University nun, dass GFAJ-1 Phosphor doch nicht durch Arsen ersetzt. Das Team um Wolfe-Simon habe die falschen Schlüsse gezogen, schreiben die Gruppen um Tobias Erb von der ETH Zürich und Marshall Reaves von der Universität Princeton (US-Staat New Jersey). GFAJ-1 wachse vielmehr auch bei sehr niedrigen Phosphor-Konzentrationen - und das selbst in arsenreicher Umgebung.

Bei vielen Wissenschaftlern war die US-Studie von vornherein auf Skepsis gestoßen. Der Biochemiker Karl-Heinz van Pée (Universität Dresden) erklärte damals, die Studie lasse keine eindeutigen Schlüsse zu. «Man hat es nicht geschafft, das Ganze Phosphor-frei zu machen», sagte er. Man müsse die Biochemie nicht neu schreiben, höchstens eine Fußnote machen. Nun ist klar: Die Regeln des Lebens gelten unverändert weiter.

Das könnte Sie auch interessieren
Ein somalischer Flüchtling trägt einen Sack mit Weizen in Dadaab. Foto: Boris Roessler

Wissen : Klimawandel und mangelnder Pflanzenanbau lassen Menschen hungern

London/Saint Paul (dpa) Die ärmsten Länder der Welt müssen sich der Weltbank zufolge so schnell wie möglich auf die unumgänglichen Folgen des Klimawandels vorbereiten. mehr...

Vor allem Eltern, die Kinder stark als Teil ihrer selbst sahen, wünschten, dass ihre Kinder die eigenen Träume wahr machen. Foto: Angelika Warmuth

Wissen : Viele Kinder sollen unerfüllte Träume der Eltern wahr machen

San Francisco (dpa) Manche Eltern projizieren ihre Lebensträume auf ihre Söhne und Töchter. «Mein Kind soll schaffen, was ich nicht geschafft habe», wünschen sich vor allem diejenigen, die ihr Kind sehr stark als Teil ihrer selbst betrachten. mehr...

Wissen : Langzeitexperiment zum Klimawandel beginnt

Bad Lauchstädt/Magdeburg (dpa) Die Auswirkungen von Klimawandel und veränderter Flächennutzung auf die Ökosysteme wollen Wissenschaftler in einem Langzeitexperiment untersuchen. mehr...

Stadtvögel sind stärker auf der Hut als ihre Artgenossen im Wald. Foto: Tim Brakemeier

Wissen : Vögel in Städten sind besonders vorsichtig

Radolfzell (dpa) Stadtvögel sind stärker auf der Hut als ihre Artgenossen im Wald. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell am Bodensee herausgefunden. Demnach verändert das Stadtleben die Persönlichkeit der Tiere. mehr...

Chemie in der Landwirtschaft: Hier versprüht dieser Landwirt ein Pestizid auf seinem Getreidefeld. Foto: Patrick Pleul

Wissen : Studie: Pestizide verringern Artenvielfalt in Gewässern

Leipzig (dpa) Der Einsatz von Pestiziden auf Feldern verringert nach einer internationalen Studie langfristig die Artenvielfalt in angrenzenden Bächen oder Flüssen. mehr...

Der «Cheetah-cub» getaufte Roboter legt nach Angaben der Wissenschaftler in einer Sekunde fast seine siebenfache Körperlänge zurück. Foto: TH Lausanne/dpa

Wissen : Mechanisches Gepardenbaby - Schweizer bauen Roboterkatze

Lausanne (dpa) Schweizer Forscher haben eine vierbeinige Roboterkatze gebaut, die so schnell läuft wie kein anderer Roboter ihrer Klasse. Der «Cheetah-cub» (Geparden-Junges) getaufte Roboter legt in einer Sekunde fast seine siebenfache Körperlänge zurück. mehr...

Der in Deutschland gebaute Raumtransporter «Albert Einstein» nähert sich nach zehntägigem Flug der Internationalen Raumstation ISS. Foto: Nasa-TV/ESA/dpa

Wissen : Europäischer Transporter dockt an Internationaler Raumstation ISS an

Moskau (dpa) Der in Deutschland gebaute Raumtransporter «Albert Einstein» ist nach zehntägigem Flug bei der Internationalen Raumstation ISS angekommen. mehr...

Bedrohter Jäger: Weiße Haie sind vom Aussterben bedroht. Foto: Helmut Fohringer/Archiv

Wissen : Weißer Hai stärker vom Aussterben bedroht als gedacht

Kapstadt (dpa) Der Weiße Hai ist in den Weltmeeren nach Ansicht von Meeresbiologen in Südafrika deutlich stärker bedroht als bisher gedacht. mehr...

Die Vorliebe von Männern für jüngere Partnerinnen könnte im Laufe der Evolution zur Menopause geführt haben. Foto: Patrick Pleul

Wissen : Männer könnten Menopause bei Frauen verursacht haben

Washington/Hamilton (dpa) Die Vorliebe von Männern für jüngere Partnerinnen könnte im Laufe der Evolution zur Menopause bei Frauen geführt haben. Das schließen kanadische Wissenschaftler aus ihren Computersimulationen. mehr...

Skelette, die bei Ausgrabungen in Winchester zu Tage kamen, lieferten das Erbgut. Foto: Ben Krause-Kyora/Sciene AAS

Wissen : Genetiker kommen den Ursprüngen der Lepra auf die Spur

Tübingen/Washington (dpa) Im Mittelalter hat Lepra das Leben unzähliger Menschen zerstört. Jetzt haben Forscher das Erbgut des Erregers beleuchtet. Die Hoffnungen sind groß, denn noch immer leiden weltweit Millionen Menschen daran. mehr...

OnAir
Sie können Antenne Unna übers Internet als Livestream hören.
  • Wählen Sie "Hohe Qualität", wenn Sie über eine Breitbandverbindung (DSL, Kabel, etc.) mit dem Internet verbunden sind.
  • Wählen Sie "Mittlere Qualität", wenn Sie über ein Modem oder über eine Mobilfunkverbindung (UMTS) mit dem Internet verbunden sind oder wenn Ihr Computer beim Aufruf des Streams mit der hohen Qualität eine Fehlermeldung zeigt.
Thema bei Antenne Unna
Auf dem Dach des Kanzleramtes: US-Präsident Obama und Kanzlerin Merkel. Foto: Steffen Kugler/Bundespresseamt

Programmhinweis : +++ Live-Ticker: Obama in Berlin +++

Berlin (dpa) Es ist der Besuch des Jahres: Zum ersten Mal hält sich Barack Obama als US-Präsident in Berlin auf. mehr...

Wetter
  • Donnerstag
    Gewitter
    Wind
    West-Süd-West mit 9 km/h
    Luftfeuchtigkeit
    85 %
  • Freitag
    Regenschauer
    Wind
    Süd-West mit 25 km/h
    Luftfeuchtigkeit
    62 %
  • Samstag
    Wolkig
    Wind
    Süd-West mit 25 km/h
    Luftfeuchtigkeit
    62 %
  • Sonntag
    Regen
    Wind
    Süd-West mit 27 km/h
    Luftfeuchtigkeit
    70 %
Verkehrsmeldungen
  • A1
    A1 Kölner Ring: Euskirchen Richtung Köln
    AS Köln-Lövenich Ausfahrt gesperrt, Dauer: 19.06.2013 21:00 Uhr bis 20.06.2013 05:00 Uhr
    A1 Münster Richtung Dortmund
    Zwischen AS Ascheberg und AS Hamm-Bockum/Werne Dauerbaustelle, Länge des betroffenen Abschnittes: 10 km
    A1 Dortmund - Osnabrück
    Zwischen AS Ascheberg und AS Münster-Nord in beiden Richtungen Dauerbaustelle, Länge des betroffenen Abschnittes: 6 km
    A1 Kölner Ring: Euskirchen - Dortmund
    Zwischen AS Köln-Lövenich und AS Köln-Niehl in beiden Richtungen 2 Baustellen, Länge des betroffenen Abschnittes: 4 km
  • A40
    A40 Duisburg - Venlo
    AS Wankum in beiden Richtungen Anschlussstelle gesperrt
    A40 Essen Richtung Duisburg
    AS Duisburg-Häfen Einfahrt gesperrt
    A40 Venlo - Duisburg
    Zwischen AS Straelen und AS Wachtendonk in beiden Richtungen Dauerbaustelle, Länge des betroffenen Abschnittes: 7 km, Brückenarbeiten
    A40 Essen Richtung Dortmund
    Zwischen AS Bochum-Dückerweg und AS Bochum-Freudenbergstraße 2 Baustellen, Länge des betroffenen Abschnittes: 4 km
  • A42
    A42 Dortmund Richtung Kamp-Lintfort
    AS Duisburg-Baerl Anschlussstelle gesperrt
  • A44
    A44 Mönchengladbach Richtung Aachen
    Kreuz Aachen Verbindungsfahrbahn blockiert
    A44 Dortmund Richtung Kassel
    AS Lichtenau (Westf.) Einfahrt gesperrt
    A44 Kassel Richtung Dortmund
    AS Lichtenau (Westf.) Ausfahrt gesperrt
Blitzerhotline

Sie haben einen Blitzer im Kreis Unna entdeckt? Dann melden Sie sich bei uns. Die folgende Nummer erreichen Sie kostenlos aus dem deutschen Festnetz.

0800 / 5 777 988
Tickets
Aktion
Facebook