Wirtschaft : Kreise: Schlupfloch erlaubt steuerfreien Porsche-Verkauf an VW

Von Heiko Lossie, dpa am 09. Juni 2012 um 11:14 Uhr

Stuttgart/Wolfsburg (dpa) Ein Schlupfloch in den Steuergesetzen wird die monatelange Hängepartie beim geplanten Zusammenschluss der Autobauer VW und Porsche offensichtlich beenden.
Steuerfreie Fusion: Porsche spart sich schätzungsweise 1,5 Milliarden Euro an Körperschaft-, Gewerbe- und Grunderwerbsteuer. Foto: Patrick Seeger

Steuerfreie Fusion: Porsche spart sich schätzungsweise 1,5 Milliarden Euro an Körperschaft-, Gewerbe- und Grunderwerbsteuer. Foto: Patrick Seeger

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa vom Samstag haben der Wolfsburger Konzern und die Porsche-Muttergesellschaft Porsche SE einen Weg gefunden, mit dem das Sportwagengeschäft der Schwaben komplett unter das VW-Dach kommt - und das ohne einen einzigen Cent Steuerlast. Die «Wirtschaftswoche» berichtete am Samstag ebenfalls über eine entsprechende Möglichkeit.

Hintergrund des Themas: Die seit langem miteinander verbandelten Unternehmen VW und Porsche wollen am liebsten fusionieren. Doch nach dem gescheiterten Übernahmekampf der Schwaben bei VW lasten auf der Porsche SE milliardenschwere Prozessrisiken. Kläger sind Anleger, die sich rückblickend betrogen fühlen. Daher will VW die Porsche SE nicht eingemeinden und sich die juristische Gefahr einfangen. Alternativ könnten die Wolfsburger nur das Sportwagengeschäft der Porsche AG komplett unter das VW-Dach holen - bisher gehört ihnen knapp die Hälfte.

Ein solcher Verkauf würde den Schwaben etwa 4,5 Milliarden Euro bringen und es dürften schätzungsweise 1,5 Milliarden Euro Steuern anfallen. Ein Großteil würde in die Kasse von Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid (SPD) fließen. Ein Steuerschlupfloch erlaubt den Unternehmen nun aber einen Trick: Der Verkauf wird mit dem parallelen Verschieben einer VW-Stammaktie zu einem Umbau der bereits eng verwobenen Unternehmen. Da es somit formaljuristisch eine Umstrukturierung und kein Verkauf ist, fallen auch keine Steuern an.

Ein Sprecher von Minister Schmid sagte auf dpa-Anfrage, dass das Ministerium zu steuerlichen Einzelfällen keine Auskunft geben dürfe. Jedoch liegt der dpa ein Schriftverkehr über die rechtsverbindliche Auskunft der Behörden an die Unternehmen vor. Dort heißt es, dass das gewählte Konstrukt mit der einen verschobenen VW-Stammaktie einen Steueranspruch tatsächlich eindeutig vermeide: «Entsprechend der Zielsetzung des Umwandlungssteuergesetzes können daher aus Sicht der Unternehmen steuerliche Belastungen vermieden werden.»

Eine mit den Firmeninterna vertraute Person sagte dpa, dass damit eine bisher zentrale Hürde genommen sei. VW werde diese Option nun aller Wahrscheinlichkeit nach ziehen und das Sportwagengeschäft komplett unter das Wolfsburger Konzerndach holen. Die Verträge und Formalien dafür dürften aber noch einige Wochen dauern. Auch wenn das Konstrukt für den gewöhnlichen Steuerzahler schwer zu verstehen sei, handele es sich um eine ganze legale Möglichkeit.

Wie die dpa vor wenigen Tagen aus sicheren Quellen erfuhr, kostete der verhinderte Zusammenschluss alleine Porsche vergangenes Jahr 350 Millionen Euro. Etwa genauso viel Zusatzkosten entstanden bei VW. Die beiden Partner müssen sich bis zum kompletten Zusammenschluss aus aktienrechtlichen Gründen wie fremde Unternehmen behandeln und etwa den internen Handel mit Autoteilen wie Motoren teurer gestalten.

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