Computer : Facebook räumt «mobiles Problem» in seinem Geschäft ein

am 10. Mai 2012 um 09:36 Uhr

New York (dpa) Facebook hat kurz vor dem Milliarden-Börsengang eine Schwäche seines bisherigen Geschäftsmodells eingeräumt.
Die Popularität von Smartphones und Tablets wird für Facebook zum Handicap. Die wichtigste Einnahmequelle des Online-Netzwerks - die Werbung - greift bisher nämlich vor allem auf dem klassischen PC. Foto: Andrea Warnecke

Die Popularität von Smartphones und Tablets wird für Facebook zum Handicap. Die wichtigste Einnahmequelle des Online-Netzwerks - die Werbung - greift bisher nämlich vor allem auf dem klassischen PC. Foto: Andrea Warnecke

Die vielen Nutzer, die von Multimedia-Handys und Tablet Computern aus das weltgrößte Online-Netzwerk zugreifen, bringen vergleichsweise wenig Umsatz. Und inzwischen nutzen 488 Millionen der insgesamt 901 Millionen Mitglieder Facebook von mobilen Geräten aus, wie das Unternehmen in einem aktualisierten Börsenprospekt am Mittwoch bekanntgab. Zugleich kündigte das Netzwerk den Start einer neuen App-Plattform an, auf der Programme für alle Arten von Geräten vertrieben werden sollen.

Facebook will bei der für Ende kommender Woche erwarteten Aktienplatzierung 11,8 Milliarden Dollar einnehmen. Damit wäre es der mit Abstand größte Börsengang eines Internet-Unternehmens und einer der gewichtigsten insgesamt. Der Wert der gesamten Firma wird bei 96 Milliarden Dollar gesehen - fast 100 Mal so viel wie der vergangene Jahresgewinn. Entsprechend groß ist das Interesse der Investoren am Geschäftsmodell. Zuletzt fiel ihnen auf, dass sich das Wachstum bei Umsatz und Gewinn deutlich verlangsamt hat.

Das Unternehmen räumte in dem Börsenprospekt ein, dass der Trend zur mobilen Nutzung die Geschäftszahlen auch weiter belasten könnte. Die Facebook-Nutzer bekam auf Smartphones und Tablets bisher keine Werbung zu sehen. Das Unternehmen kündigte zwar entsprechende Pläne an - aber die Tarife bei Werbeanzeigen auf mobilen Geräten sind auch grundsätzlich niedriger.

«Facebook hängt bei mobile hinterher», sagte der Mitgründer des Berliner Unternehmen madvertise, Carsten Frien. Sein Unternehmen gehört zu den führenden Firmen für mobile Werbung in Europa. Es werde aber nicht lange dauern, bis Facebook sein Werbemodell auf Smartphones und Tablets ausweite.

Besonders interessant seien standortbasierte Anzeigen, sagte Frien. «Die Technologie der Lokalisierung ist vorhanden.» Sie könne vermutlich mit geringem Aufwand für Reklame auf Smartphones und Tablets genutzt werden. Während Soziale Netzwerke oft nicht viele Klicks generierten, stecke in mobilen Anzeigen großes Potenzial. Schließlich könnten Nutzer mit einem Angebot von einem Laden um die Ecke direkt angesprochen werden.

In dem Börsenprospekt von Facebook schrieb das Unternehmen: «Wir glauben, dass die höhere Nutzung von Facebook auf mobilen Geräten dazu beigetragen hat, dass die tägliche Zahl der Nutzer schneller Wuchs als die Zahl der ausgelieferten Werbeanzeigen.»

Zugleich erklärte Facebook, dass für die verhaltene Umsatzentwicklung auch die Entscheidung gesorgt habe, auf einigen Seiten weniger Werbung anzuzeigen und man die Nutzer nicht mit Anzeigen überhäufen werde, um kurzfristig die Einnahmen zu steigern.

Die angekündigte App-Plattform könnte für Facebook zu einem wichtigen Standbein auch im mobilen Geschäft werden. Das «App Center» soll eine zentrale Anlaufstelle zum Herunterladen von Programmen zur Facebook-Ergänzung sein - egal ob für PC oder Smartphones und Tablets. Über große Pläne von Facebook im App-Bereich war schon seit Monaten spekuliert worden.

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