Blickpunkt : Indonesien hat Leopard-Panzer noch nicht förmlich beantragt

Von Kristina Dunz und Michael Fischer, dpa am 11. Juli 2012 um 09:03 Uhr

Jakarta (dpa) Deutschland muss sich nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sputen, um den Anschluss an die rasante wirtschaftliche Entwicklung in Asien nicht zu verlieren.
Das Interesse der Saudis an deutschen Kampfpanzern ist ungebrochen. Foto: Krauss-Maffei Wegmann

Das Interesse der Saudis an deutschen Kampfpanzern ist ungebrochen. Foto: Krauss-Maffei Wegmann

Zum Abschluss ihrer knapp zweitägigen Indonesien-Reise sagte sie am Mittwoch in Jakarta, im eigenen Interesse sollten die Bundesrepublik und ganz Europa ihre Beziehungen auch zu dem größten muslimischen Land der Welt verstärken. Sie mahnte: «Wenn wir uns als Europäer nicht zusammenschließen, werden wir nicht Einfluss nehmen können auf die Entwicklung der Welt.»

Ein mögliches Panzergeschäft zwischen Deutschland und Indonesien sorgte unterdessen weiter für Wirbel. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele forderte, das Interesse der indonesischen Regierung am Kampfpanzer Leopard 2 bei der Sondersitzung des Parlaments in der kommenden Woche zu thematisieren. Das Verteidigungsministerium stellte klar, dass es noch keine formelle Anfrage Jakartas gebe. Medienberichten zufolge soll es um 100 gebrauchte Leopard-Panzer aus Bundeswehrbeständen gehen.

Der indonesische Staatspräsident Susilo Bambang Yudhoyono hatte am Dienstag nach einem Treffen mit Merkel das Interesse an den Panzern indirekt bestätigt. Die Kanzlerin äußerte sich dazu nicht.

Am zweiten Tag des Merkel-Besuchs ging es um den Schutz vor Tsunami-Katastrophen und die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder. Die Kanzlerin betonte, Indonesien verfolge die Finanzkrise in Europa sehr genau. «Man setzt auf Europa und deswegen fühle ich mich ermutigt, für dieses Europa zu kämpfen.» Indonesien sei Ende der 1990er Jahre selbst durch eine schwere Finanz- und Wirtschaftskrise gegangen und habe viele Jahre gebraucht, bis es sich wieder erholt habe. Das viertgrößte Land der Welt habe bereits die Erfahrung gemacht, dass es nicht mit einem Maßnahmenpaket getan ist.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Peter Keitel, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die indonesischen Regierungsvertreter seien offen und unvoreingenommen auf die deutschen Wirtschaftsvertreter zugegangen. «Wir sind nicht diejenigen, die auf dem billigen Markt konkurrieren, sondern wir müssen die Indonesier wie alle anderen auf der Welt davon überzeugen, dass wir die gute, langfristige Qualität, die beste Technologie liefern und, dass das ein bisschen teurer ist. Hier haben wir heute sehr viel Verständnis gefunden.»

Merkel besichtigte in Jakarta das Tsunami-Frühwarnzentrum und nannte es ein Paradebeispiel für deutsch-indonesische Kooperation. Sie wünschte den Mitarbeitern «good luck».

Die Einrichtung wurde 2011 eröffnet und für 53 Millionen Euro zum Großteil durch das Geoforschungszentrum Potsdam mit indonesischen Partnern aufgebaut. 2004 waren durch ein Erdbeben der Stärke 9,1 vor der Küste Nordwest-Sumatras und einer dadurch ausgelösten Flutwelle allein in Indonesien 165 000 Menschen ums Leben gekommen. Von dem Tsunami waren sie völlig überrascht worden. Insgesamt verloren 230 000 Menschen ihr Leben.

Das Zentrum warnt maximal fünf Minuten nach einem Beben auf der Basis der Informationen aus rund 300 Messstationen, die in ganz Indonesien aufgebaut wurden. Dazu gehören Seismometer, GPS- Stationen und Küstenpegel.

Das Beben vor der Südküste Sumatras vom 25. Oktober 2010 zeigte allerdings die Grenzen der Tsunami-Frühwarnung auf. Die vorgelagerten Mentawi-Inseln im Sunda-Bogen wurden von dem ausgelösten Tsunami besonders stark betroffen. Etwa zeitgleich mit dem innerhalb von 5 Minuten ausgelösten Alarm liefen hier die ersten Wellen auf, so dass keine Zeit für Reaktionen blieb und 500 Menschen starben.

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