Blickpunkt : Katholikentag: Warmer Empfang für Kanzlerin Merkel

am 18. Mai 2012 um 09:37 Uhr

Mannheim (dpa) Gesellschaftliche Fragen haben am dritten Tag die Diskussionen beim Katholikentag in Mannheim bestimmt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigte die Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre, und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach zum Schuldenstaat.
Alois Glück (r), Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, und Erzbischof Robert Zollitsch (M), begrüßen Angela Merkel (CDU) zum 98. Katholikentag. Foto: Uli Deck

Alois Glück (r), Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, und Erzbischof Robert Zollitsch (M), begrüßen Angela Merkel (CDU) zum 98. Katholikentag. Foto: Uli Deck

Kirchenintern stand vor allem das Thema Ökumene auf der Tagesordnung. Am Nachmittag folgten hunderte Katholiken der Einladung der Mannheimer Sultan-Selim-Moschee zum Freitagsgebet. Am Abend stand ein ökumenischer Gottesdienst mit Vertretern mehrerer christlicher Kirchen auf dem Programm.

Merkel hatte kurz vor ihrem Abflug zum G8-Treffen in den USA noch an einer Podiumsdiskussion zum demografischen Wandel bei dem Laientreffen teilgenommen. Die gestiegene Lebenserwartung müsse sich auch in der Arbeitswelt widerspiegeln, sagte sie. Das Rentenalter soll bis 2029 schrittweise angehoben werden. Entscheidend sei dabei, die Kultur der Arbeitswelt zu ändern. «Bislang werden die Fähigkeiten der älteren Mitarbeiter wie Erfahrung und Routine oft verkannt», sagte die Kanzlerin. Dies müsse sich ändern.

Die Besucher des Katholikentages empfingen die Kanzlerin mit Angie-Rufen. Bei ihrem Einzug sang eine Musikgruppe den Refrain: «Was Du Dir vornimmst, alles gelingt.» Zu den Querelen rund um den gefeuerten Umweltminister Norbert Rötgen (CDU) äußerte sich Merkel nicht. Sie wandte sich aber gegen die ständige Nörgelei in Deutschland: «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu einer Nation werden mit Leuten, die alle vor dem Fernseher sitzen und genau wissen, wer wie Fußball spielen muss, aber selber nicht mehr in der Lage sind, einen Ball vor sich her zu schieben.»

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, wertete den Katholikentag als Chance: «Hoffentlich hat die Katholische Kirche die Kraft, sich den Reformbewegungen offen zuzuwenden und sich anregen zu lassen», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Die unter anderem durch den Missbrauchsskandal verursachte Krise der katholischen Kirche schlage sich auch auf die Partner nieder: «Wir befinden uns in einer Haftungsgemeinschaft im Glauben», sagte er.

Einen Beitrag zum Dialog der Religionen leisteten Mannheimer Muslime. Sie luden Besucher des Katholikentages in eine Moschee ein, um dem Freitagsgebet beizuwohnen. «Das Interesse ist riesig», freute sich Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt der Religionen (Ditib). Solche Veranstaltungen seien eine gute Möglichkeit, Vorurteile über den Islam abzubauen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sind sich Christen und Muslime in Deutschland deutlich näher gekommen. Auf lokaler Ebene gebe es etliche Initiativen, sagte er der dpa. Allerdings habe sich das Verhältnis auf Spitzenebene abgekühlt, «um es mal vorsichtig auszudrücken». Missverständliche Aussagen des Papstes hätten die Erwartungen der Muslime sehr gedämpft. Bei der Gleichstellung des Islam mit anderen Religionsgemeinschaften wünschten sich die Muslime mehr Unterstützung von den christlichen Kirchen.

Der 98. Katholikentag dauert bis Sonntag und steht vor dem Hintergrund der Kirchenkrise unter dem Motto «Einen neuen Aufbruch wagen». Der Veranstalter, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), geht von 33 000 Dauerteilnehmern und etwa ebenso vielen Tagesgästen aus. ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper zeigte sich am Freitag zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Treffens. «Viele Säle sind voll ebenso wie die Straßen und Plätze in der Stadt.»

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