Blickpunkt : US-Abzug aus Bayern und Rheinland-Pfalz absehbar

am 27. Januar 2012 um 17:53 Uhr

Grafenwöhr/Baumholder/Washington (dpa) Der Truppenabbau der US-Armee in Europa trifft wohl Bayern und Rheinland-Pfalz: Der Abzug der Brigaden aus Grafenwöhr und Baumholder scheint beschlossene Sache zu sein.
US-Soldatinnen in einem Shopping-Center auf dem Militärgelände in Grafenwöhr. Foto: Armin Weigel

US-Soldatinnen in einem Shopping-Center auf dem Militärgelände in Grafenwöhr. Foto: Armin Weigel

Nach einer Internet-Veröffentlichung des Pentagon sollen zwei sogenannte schwere Brigaden aus Europa abgezogen werden. «Die einzigen zwei schweren Brigaden, die wir (in Europa) haben, sind die 170. und die 172. Brigade», erläuterte ein Sprecher der US-Army in Heidelberg am Freitag. Eine schwere Brigade ist eine Panzerbrigade, die zusätzlich auch über Artillerie verfügt.

US-General Raymond Odierno sagte vor der Presse in Washington, die erste Brigade solle bereits 2013, die zweite 2014 abgezogen werden. Zwar nannte er keine konkreten Standorte. Auf den Hinweis eines Journalisten, dass es nur die beiden schweren Brigaden in Deutschland sein könnten, nickte der General jedoch bejahend. Aber erst in ein paar Wochen wolle man sich offiziell äußern.

Im rheinland-pfälzischen Baumholder ist die 170. Infanteriebrigade stationiert. Der Standort gilt mit seinen knapp 5000 US-Soldaten als größte deutsche US-Garnisonsstadt. Der 172. Brigade im bayerischen Grafenwöhr gehören rund 3800 Heeressoldaten an.

Hintergrund der Abzugspläne sind drastische Sparvorgaben von US-Verteidigungsminister Leon Panetta. Die US-Streitkräfte sollen kleiner und flexibler werden. Das Augenmerk liegt künftig stärker in Asien und im Nahen Osten. In Europa sollen zwei der vier Brigaden gestrichen werden. Dabei nannte Panetta keine konkreten Standorte, drei US-Brigaden befinden sich jedoch in Deutschland - die vierte ist in Italien.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz sagte, der Abzug der Brigade aus Baumholder scheine sich zu bestätigen. Eine Ankündigung habe es bereits «vor geraumer Zeit» gegeben. «Wir gehen aber nach wie vor davon aus, dass der US-Standort Baumholder dauerhaft bestehenbleibt», zeigte sich Lewentz überzeugt. Dies sei auch von den US-Gesprächspartnern entsprechend mitgeteilt worden.

Nach Ansicht von Lewentz könnten anstelle der Kampfeinheit Logistikeinheiten in Baumholder stationiert werden. Der Minister rechnet noch im Laufe des Februars mit konkreten Entscheidungen der US-Regierung. Der Bürgermeister von Baumholder, Peter Lang, sagte der Nachrichtenagentur dpa, ein Abzug der Brigade wäre einschneidend. Er sei jedoch zuversichtlich, dass der US-Standort Baumholder erhalten bleibe. Auch er rechnet damit, dass bei einem Abzug das US-Militär andere Truppenteile für Logistik nach Baumholder schicke.

Die Stadt - in der gut 4000 Deutsche leben - sei sehr von den Amerikanern geprägt, sagte Lang, der auch Bürgermeister der Verbandsgemeinde Baumholder ist. Mit Familien und Zivilisten leben dort rund 13 000 Amerikaner. Und sogar gut 100 US-Rentner.

In Grafenwöhr bangen die Menschen um die wirtschaftliche Zukunft der Region. «Es trifft uns hart, wenn eine Brigade weggeht, auch wirtschaftlich», sagte der Bürgermeister von Grafenwöhr, Hellmuth Wächter, am Freitag. Er hoffe aber, dass die Zahl der Soldaten durch wechselnde Einheiten aufrechterhalten werde. Die Garnison gilt als dauerhafter Standort. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums sollen die abgezogenen Brigaden durch rotierende Truppenteile ersetzt werden.

Der Betriebsratsvorsitzende der Zivilangestellten in der US-Garnison Grafenwöhr, Klaus Lehl, sagte: «Es wird eine enorme Schwächung der Kaufkraft der Region geben.» Außerdem befürchtet er, dass durch den Abzug in den kommenden Jahren bis zu 700 der bisher rund 2000 deutschen Zivilstellen bei der US-Armee verloren gehen.

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