Freitag, 28. Juli 2017
11. Januar 2017 um 18:50 Uhr

In großen Teilen Europas: Stürme, Schneemassen und Kältewelle

Berlin (dpa) An der Nordsee wird vor einer Sturmflut gewarnt. In anderen Regionen Deutschlands rechnen Meteorologen mit viel Schnee. Die Zahl der Kältetoten in Polen ist weiter gestiegen.
Ein Winterdienst räumt bei Säuritz in Sachsen die zugewehten Straßen frei. Foto: Rocci Klein

Ein Winterdienst räumt bei Säuritz in Sachsen die zugewehten Straßen frei. Foto: Rocci Klein

Schneeverwehungen, wieder eine mögliche Sturmflut und Böen in Orkanstärke - das Wetter in Deutschland wird die Menschen wohl auch in den kommenden Tagen in Atem halten. In der Nacht zum Freitag erwartet der Deutsche Wetterdienst über der Mitte des Landes erhebliche Mengen Neuschnee.

Bei Temperaturen zwischen minus vier und sechs Grad dürfte es etwas milder als an den vergangenen Tagen sein. «Eine hochspannende und unwetterträchtige Entwicklung steht ins Haus», sagte Meteorologe Marcus Beyer. Die Details seien dabei noch ungewiss, denn es sei noch unklar, wie sich die Wetterlage entwickeln werde.

Auf eine Sturmflut müssen sich die Menschen an der Nordseeküste einstellen. In der Nacht zum Donnerstag werde das Hochwasser 1,5 bis 2 Meter höher als das mittlere Hochwasser eintreten, warnte das Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie am Mittwoch. Dazu weht nach Angaben des DWD ein westlicher Wind mit starken bis stürmischen Böen, an der Nordsee werden Sturmböen erwartet. Begleitet wird der Wintersturm bis Freitag von Regen-, Graupel- und Schneeschauern. Dabei könne es örtlich glatt werden.

Auch in anderen Bundesländern bleibt es in den kommenden Tagen winterlich-wechselhaft. So geht es am Donnerstag nach dem Ausläufer eines Sturmtiefs mit Schneeverwehungen in den Höhenlagen von Schwarzwald und Alb laut DWD nass und etwas wärmer weiter. Schon zum Wochenende soll sich in Baden-Württemberg verbreitet wieder Frost durchsetzen.

Ein Blick aufs Wetter in weiteren Ländern Europas:

GRIECHENLAND: Während Wind aus dem Süden den Schnee in großen Teilen Griechenlands am Mittwoch rasant schmelzen ließ, blieb es im Norden eisig kalt. Thessaloniki erlebte einen Schneesturm. Eine solche Kälte habe es in der Hafenstadt seit den 1960er Jahren nicht gegeben, teilte der Bürgermeister mit. Auch etliche Inseln in der nördlichen Ägäis sind noch eingeschneit, viele Menschen mussten dort ohne Strom auskommen.

SPANIEN: Auf Mallorca habe die Durchschnittstemperatur in den ersten zehn Tagen des Januars bei 8,6 Grad gelegen, zitierte das «Mallorca Magazin» am Mittwoch das balearische Wetteramt Aemet. So kalt sei es im gleichen Zeitraum seit 2005 nicht mehr gewesen. In den nächsten Tagen und Wochen sollen die Temperaturen auf der Urlaubsinsel noch weiter sinken. Damit könnte der Januar 2017 einer der kältesten der vergangenen 30 Jahre werden - auch wenn keine Minus-Rekordwerte zu erwarten seien, so die Wetter-Experten.

POLEN: Seit Einbruch der Kältewelle vergangene Woche erfroren in Polen 27 Menschen. Damit stieg die Zahl der Toten seit Beginn der kalten Jahreszeit auf 73, wie das Sicherheitszentrum der Regierung mitteilte. In Polen sterben außerdem jeden Winter Dutzende Menschen an Kohlenmonoxid-Vergiftungen. Diesen Winter waren es bislang 24.

SCHWEDEN: Schnee und starker Wind haben weite Teile Schwedens in ein Verkehrschaos gestürzt. Fähren blieben in den Häfen, Züge in den Bahnhöfen. Auf den eisglatten Straßen ereigneten sich vor allem in Südschweden zahlreiche Unfälle mit Autos und Lastwagen. Busse rutschten von der Fahrbahn, umgestürzte Bäume blockierten Straßen. Am Flughafen im südschwedischen Malmö fiel der Strom im Terminalgebäude zwischenzeitlich aus.

ÖSTERREICH: Eine deutsche Alpinistin ist in Österreich von einer Lawine verschüttet worden und gestorben. Nach ersten Informationen der Polizei war die 54-Jährige am Mittwoch am Arlberg in Vorarlberg unterwegs. Unterhalb der Maroispitze in Stuben kam es zu dem Unglück. Ihre Begleiter, die nicht von der Lawine erfasst wurden, alarmierten die Einsatzkräfte.

TÜRKEI: Wegen des Schneechaos in Istanbul saßen weiter Hunderte Urlauber auf dem Flughafen Atatürk fest. In den vergangenen Tagen musste eine Vielzahl von Flügen auf dem Drehkreuz gestrichen und Maschinen umgeleitet werden. An dem Airport bildeten sich lange Schlangen vor den Ticketschaltern und bei der Ausgabe von Hotelgutscheinen für gestrandete Fluggäste. In den vergangenen Tagen fiel nach einem Bericht der Zeitung «Hürriyet» in manchen Bezirken der Millionenmetropole mehr als ein Meter Schnee. Das Blatt sprach vom stärksten Schneefall in Istanbul seit 30 Jahren. Am Dienstag setzte Tauwetter ein.

GROSSBRITANNIEN: Heftiger Wind und Schnee verursachten in Teilen Großbritanniens Chaos. In Schottland und Nordengland kam es in der Nacht auf Mittwoch zu Stromausfällen, wie die Behörden mitteilten. Nahe Edinburgh musste eine Brücke gesperrt werden, nachdem ein Lastwagen vom Wind umgestoßen wurde. Für Donnerstag waren weitere Schneefälle im Westen Englands, Wales und Schottland vorausgesagt.

BULGARIEN: Starker Schneefall und Verwehungen behinderten den Verkehr im Nordosten Bulgariens. In den Regionen Warna, Schumen und Dobritsch waren Landstraßen unbefahrbar. Die Autobahn «Trakija» von der Hauptstadt Sofia nach Burgas am Schwarzen Meer musste in ihrem östlichen Teil geschlossen werden. Der Schwarzmeerhafen Warna stellte am Mittwoch den Betrieb ein. Mehr als 100 Orte blieben ohne Strom, weil Wind und Frost viele Leitungen beschädigt hatten. In der Hauptstadt Sofia waren minus 17 Grad.  

RUMÄNIEN: Ein Schneesturm legte den Verkehr im Süden des Landes lahm. Am heftigsten betraf es die Region zwischen Bukarest und dem Schwarzen Meer. Die Polizei sperrte vorsichtshalber drei Autobahnen und mehr als 100 Landstraßen. Viele Züge wurden gestrichen.

LETTLAND: In Lettland brach ein 70 Jahre alter Eisangler auf einem Teich nahe der Stadt Jelgava ins Eis ein und starb. Rettungskräfte fanden den Mann nach Alarmierung durch Passanten im kalten Wasser, meldete die Agentur Leta. Es ist der erste tote Eisangler der Saison in Lettland. Das Angeln an Eislöchern ist ein beliebtes Freizeitvergnügen in Lettland. Eisangler geraten dabei immer wieder in Gefahr - jedes Jahr müssen Dutzende von ihnen gerettet werden.


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