Formel1 : Schumachers seltsame Pechsträhne

Von Christian Hollmann, dpa am 28. Mai 2012 um 11:33 Uhr

Monte Carlo (dpa) Als Nico Rosberg seinen zweiten Platz vor der Fürstenloge feierte, stand Michael Schumacher im Regen. Nach der nächsten Episode seiner Pechsträhne musste der Formel-1-Rekordweltmeister im Wolkenbruch von Monte Carlo erneut Fragen zu möglichen Rücktrittsplänen beantworten.
Michael Schumacher verfolgt das Pech. Foto: Dimitar Dilkoff

Michael Schumacher verfolgt das Pech. Foto: Dimitar Dilkoff

«Das Team hat mich dafür geholt, einen Aufbau zu betreiben, dafür gebe ich 100 Prozent. Aber ob wir die Zukunft zusammen beschreiten, steht auf einem anderen Blatt Papier», sagte Schumacher nach dem vierten vorzeitigen Aus im sechsten Saisonrennen.

Erneut hatte den 43-Jährigen sein Silberpfeil im Stich gelassen, wie schon in Australien und Bahrain. Diesmal war es ein Problem mit dem Benzindruck. «Was kann ich sagen? Einfach schade», meinte Schumacher. «Es gibt einfach solche Phasen, da läuft es wie am Schnürchen, und Phasen, in denen es einfach mal klemmt», suchte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nach tröstenden Worten.

Dabei hatte der siebenmalige Champion mit seiner ersten Bestzeit in der Qualifikation seit 2142 Tagen zuvor noch ein echtes Ausrufezeichen gesetzt - und das mit Ankündigung und als ältester Quali-Bester seit 42 Jahren. Dennoch durfte Schumacher nicht auf die Pole Position, weil er für einen Unfall mit Bruno Senna im Rennen davor mit einer Rückversetzung um fünf Startplätze büßen musste.

Irgendwie typisch. Rückschläge pflastern Schumachers Weg seit seinem Comeback vor zweieinhalb Jahren. So schlecht wie in diesem Jahr aber ist der Altmeister in seiner Laufbahn statistisch noch nie in eine Saison gestartet. Mit zwei Punkten ist er 18. der Gesamtwertung. Stallrivale Rosberg zählt als Fünfter mit 59 Zählern zum Kreis der Titelanwärter. «Grundsätzlich gilt: Das was Nico im Rennen zeigt, das kann auch der Michael», befand Boss Haug.

Schumacher werde trotz der häufigen Pannen die Ruhe bewahren, versicherte der Schwabe. «Er ist sicher Fachmann genug zu wissen, dass da keine Absicht oder Schlamperei dahinter steckt», sagte Haug. Zumindest öffentlich verkniff sich Schumacher Kritik am Team. Der PS-Veteran beteuerte sogar, es sei eigentlich sein bester Saisonstart im Mercedes, «weil ich einfach das Gefühl habe, mit dem Auto mehr eins zu sein».

Vor der Reise nach Monaco hatte er seine Ingenieure Peter Bonnington und Jock Clear zu sich in die Schweiz eingeladen, um sie nach der Frustserie des ersten Saisonfünftels auf den Aufschwung einzuschwören. Doch der Trend ist derzeit nur Rosbergs Freund. «Es ist schön zu sehen, wie sich das Team steigert», sagte der 26-Jährige, nachdem er vor seiner Haustür den Sieg nur knapp verpasst hatte. «Vermutlich hatten wir hier das stärkste Auto.»

Diese Einschätzung dürfte Schumacher zusätzlich schmerzen. «Man kann sich ausrechnen, wo ich unter normalen Bedingungen gelandet wäre», sagte er. Dann machte er sich mit Frau Corinna auf den Heimweg. Abschalten, Frust verarbeiten. Nächste Station: Montreal. Eine Strecke, die dem Silberpfeil bestens liegen sollte. Und so forderte Teamchef Ross Brawn: «In Kanada müssen wir dafür sorgen, dass es bei ihm keine Probleme mehr gibt.»

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