Und jetzt, nach 13 Jahren ohne die beiden BFF-Mitstreiter Robert Sledge (Bass) und Darren Jessee (Drums), ist plötzlich alles wieder da: Die herrlichen Melodien zwischen Burt Bacharach, Beach Boys, Billy Joel und frühem Elton John; der verzerrte Bass (weiterhin keine Gitarre weit und breit!); das donnernde, treibende Schlagzeug; die jazzigen Klaviersoli; vor allem diese lässige, melancholische, mitunter ins Falsett kippende Folds-Stimme. Und ja, die fast schon punkig-rohe Kraft dieses ungewöhnlichen Alternative-Rocks vibriert aufs Neue.
«The Sound Of The Life Of the Mind» (Sony) ist auch wieder so ein witziger Folds-Albumtitel - man denke nur an «The Unauthorized Biography of Reinhold Messner», das 1999 den Schlusspunkt hinter fünf atemberaubende Trio-Jahre setzte. An eben jene Platte mit ihren sahnigen Pop-Melodien, perfekten Arrangements und schrägen Einfällen, also an das beste der drei Studiowerke von Ben Folds Five knüpft das neue Album an, als wäre nichts geschehen.
Zum Glück kommt nie den Eindruck auf, Folds habe hier nur ein paar alte Lieder hervorgekramt, um sie mit den Kumpels von anno dunnemals für einen schnellen Dollar einzuspielen. Schon der Opener «Erase Me» mit diversen Harmoniesprüngen und Prog-Rock-Anmutungen knallt taufrisch aus den Boxen und vermittelt gleich die Gewissheit, dass Ben Folds die Rolle des gediegenen Troubadours gern hinter sich gelassen hat.
Denn so gut seine Solo-Werke für sich genommen waren, etwa «Rockin' the Suburbs» (2001), «Songs For Silverman» (2005) oder «Lonely Avenue» (die 2010er Platte mit den Texten des britischen Kultautors Nick Hornby): Manchmal wünschte man sich die ungezügelte Spielfreude des Trios der 90er Jahre zurück, den Mut zum Chaotischen und die Bereitschaft, auch mal etwas falsch zu machen.
Jetzt reicht schon ein kurzes Reinhören in die ungebremste Pianorock-Wucht von «Do It Anyway», und alle Zweifel an der Karriere-Ausrichtung von Ben Folds sind verflogen. Der 46-Jährige aus North Carolina bearbeitet seine Tasten in altbekannter Vehemenz, Sledges Fuzz-Bass knurrt, und Drummer Jessee schafft es erstaunlicherweise, den Groove noch zusätzlich anzuheizen.
Im anschließenden «Hold That Thought» swingt und bezwingt eine bezaubernd spätsommerliche Melodie, während die drei Musiker ihre virtuosen Satzgesänge abliefern. Anderswo verzieren Streicher - im Gegensatz zu manchen von Folds' Solo-Werken nicht zu üppig - die innigeren Lieder, etwa das famose «Away When You Were Here».
In der krönenden Ballade «Thank You For Breaking My Heart» darf sich Ben Folds dann nochmal in die Pose des Herzensbrechers werfen, dem selbst das Herz gebrochen wurde. Ein umwerfendes Lied, das selbst Frank Sinatra alle Ehre gemacht hätte - dem Folds seinerseits im weltmännischen "On Being Frank" seine Referenz erweist.
So hat jeder der zehn neuen BFF-Songs («Sky High» stammt allein von Darren Jessee, der Rest vom Meister selbst) seine wundersamen Momente. Man kennt so etwas von Ben Folds und ist doch überrascht, zu welchen Leistungen dieser große Singer/Songwriter immer noch in der Lage ist. Am allermeisten weiterhin in jenem Trio, mit dem die Geschichte vor fast zwei Jahrzehnten begann.
«The Sound Of The Life Of The Mind» ist Mitte September ohne jedes PR-Bohei erschienen. Auf einmal war das Album da und elektrisierte sogleich Fans wie Kritiker. Der Appeal dieser so eindringlichen wie zugänglichen Popmusik ist offenbar zeitlos. Ben Folds Five dürften auch mit ihrem vierten Album wieder auf vielen Jahresbestenlisten vertreten sein. Der restlos glückliche Fan wünscht sich jetzt nur noch, dass nicht wieder 13 Jahre bis zum nächsten Lebenszeichen dieser tollen Truppe ins Land gehen.










