Auf seinem Album «Pull Up Some Dust And Sit Down» vor einem Jahr wurden die vermeintlichen Feinde seines Heimatlandes aufgelistet. Auf seiner neuesten CD «Election Special» geht der rastlose 65-Jährige einen Schritt weiter: Er macht sich unverhohlen für US-Präsident Barack Obama stark, und der Widersacher wird beim Namen genannt, nämlich der Präsidentschaftskandidat der Republikaner Mitt Romney.
Die mitreißenden Songs auf diesem Sonderalbum zum Wahlkampf sind durchweg nachdenklich und humorvoll, eine Art Manifest gegen den republikanischen Herausforderer, den Cooder im Gespräch mit der britischen Zeitung «Guardian» als «gefährlichen Mann» bezeichnet hat. Für Cooder sind die Republikaner einfach schlimm. «Wir dürfen es nicht zulassen, dass die wieder an die Macht kommen», hat er kürzlich gesagt.
Dass der begnadete Gitarrist nicht nur Barack Obama unterstützt, sondern auch Sympathie für dessen schwierige Lage hegt, zeigt «Cold Cold Feeling». Da schreitet der Präsident der Vereinigten Staaten nachts sorgenvoll in abgewetzten Schuhen über den Flur des Weißen Hauses.
Ob er in Amerika politisch etwas bewirken kann wie sein berühmter Vorgänger Woody Guthrie? Da ist sich Ry Cooder wohl selbst nicht sicher: «Ich bin kein Hetzer, aber was soll ich denn tun - einfach auf den Tisch hauen?», sagte er der Deutschen Presse Agentur dpa. «Ich schreibe einfach Songs, in denen ich meine Meinung äußere. Ich weiß nicht, ob ich die Leute dadurch zum Protestieren bringen kann, denn ich bin mir ehrlich gesagt nicht mehr so ganz sicher, wie die jungen Leute heute ticken.»
Laut Cooder geht es in jedem Lied auf seinem neuesten Album um etwas Aktuelles. «Ich schau viel fern und lese viel über das, was gerade um mich herum passiert.» Es geht los mit dem lakonischen «Mutt Romney Blues» einem Klagelied auf Romneys Köter (Mutt auf Englisch). Als Romney mit seiner Familie mal in den Urlaub fuhr, war leider kein Platz mehr im Auto für den Familienhund Seamus. Kurzerhand schnallte Romney den Hund samt Käfig auf das Autodach. Die Episode wird aus der Sicht des armen Hundes erzählt. Für Cooder ist Seamus' Schicksal Sinnbild dafür, wie die Menschen in Nord-Amerika behandelt werden würden, wenn Romney an die Macht käme. Die Botschaft von «Guantanamo» ist genauso deutlich wie die der militanten Hymne «Take Your Hands Off It». Sie beginnt pampig mit der Zeile «Get your dirty hands off my constitution» (Nimm deine dreckigen Pfoten von meiner Verfassung).
Fazit: Auf seinem fünften Konzeptalbum seit 2005 zeigt sich Ry Cooder gewohnt kämpferisch und in Hochform. Natürlich steht die Message im Vordergrund, aber auch musikalisch ist Ry Cooder und seinem Sohn Joachim ein kleines Spätmeisterwerk gelungen.











