Der Stern des gerade mal 25-jährigen Pianisten mit dem vielversprechenden Nachnamen ging 2008 auf, als er die grandiosen Tastenparts zu Cohens Jazztrio-Meisterwerk «Gently Disturbed» beisteuerte. Selten hatte man einen so selbstbewussten Begleiter erlebt, der allerdings vom Star des Ensembles auch in ungewöhnlich großzügiger Weise ins Rampenlicht gerückt wurde.
«Gently Disturbed» war insofern nicht nur der große künstlerische Triumph von Avishai Cohen, sondern auch mehr als nur eine erstaunliche Talentprobe des Shai Maestro. Im Mai 2011 trennten sich die Wege der beiden in aller Freundschaft - wie etwa der Abschlusstrack «One For AC» auf Maestros jetzt erschienenem selbstbetitelten Trio-Album (Laborie/Edel) unterstreicht. «Avishai, Du bist ein wahrer Lebensveränderer», heißt es in den Danksagungen.
Und damit zur Musik auf dem mit Spannung erwarteten Debüt «Shai Maestro» - und zur entscheidenden Frage: Kann sie mit der des großen Vorbildes mithalten, erfüllen sich die Hoffnungen auch der Cohen-Fans? Ein zweifaches Ja, mit Ausrufezeichen.
Wieder faszinieren die ausufernden, aber nie effekthascherischen Soli des jungen Pianisten. Die traumwandlerische Sicherheit des Zusammenspiels mit seinen Trio-Kollegen (der israelische Landsmann Ziv Ravitz am Schlagzeug und der peruanische Bassist Jorge Roeder). Die berauschende Schönheit der zwischen harmonischem Jazz, klassischen Strukturen und orientalischen Folk-Motiven pendelnden Melodien. Maestro setzt Cohens Weg quasi nahtlos fort, ohne ihn zu imitieren (der Bass agiert beispielsweise deutlich zurückhaltender).
Shai Maestro hatte sein eigenes Trio bereits im Sommer 2010 in Brooklyn/New York formiert, und man merkt den drei jungen Männern die gemeinsame Reifezeit im positivsten Sinne an. In den bis zu zehnminütigen Kompositionen - neben einem Traditional stammen neun von Maestro - wirkt kein Ton zufällig gesetzt, jedes kunstfertige Arrangement birgt neue Überraschungen.
«Die Verbindung zwischen uns dreien war so mächtig, dass wir zwangsläufig eine Band wurden», teilt Maestro auf seiner Internetseite mit. «Aber das ist erst der Anfang, (...) und die Möglichkeiten sind endlos. Ich bin sehr gespannt, wo das noch alles hinführt.»
Diese zukunftsgewandte Euphorie erschließt sich dem Hörer von «Shai Maestro» voll und ganz. Auf die nächsten Projekte dieser drei Supertalente (hier passt der oft missbrauchte Begriff) darf man wirklich gespannt sein.
Und was Avishai Cohen betrifft: Wie ein umjubelter Berliner Auftritt in diesem August bewies, hat er für sein neues Trio bereits die nächsten Nachwuchs-Virtuosen entdeckt. Am Klavier brillierte ein israelischer Twen namens Omri Mor. Man würde sich nicht wundern, wenn auch dieser hochbegabte Cohen-Schüler demnächst eine eigene Karriere anstrebte.










