«I Know What Love Isn't» - schon der Titel seines auf dem feinen Label Secretly Canadian erschienenen Albums ist typisch Lekman, der sich hier demonstrativ als Anti-Macho inszeniert, als Laien und Suchenden in Sachen Liebe. Dieser rote Faden - ein Mann und das so schwierige höchste aller Gefühle - durchzieht die zehn Folkpop-Vignetten, von denen die erste und die letzte jeweils «Every Little Hair Knows Your Name» (einmal als Piano-Intro, später als echter Song) heißen.
Hach, wie schön das klingt! Jens Lekman, vor einiger Zeit zu den «sexiest men of Sweden» gewählt, weiß schon, was er seinem Ruf als schüchterner Charmeur schuldig ist. Und vor Charme sprühen auch die teils orchestral-üppigen, aber auch mal spröden Melodien, mit denen der inzwischen 31-jährige, in den USA hoch angesehene Schwede seine nachdenklich-humorvollen Texte untermalt.
In «Erica America» oder «The World Moves On» glaubt man den jungen Paddy McAloon zu hören, als der vor knapp 30 Jahren mit Prefab Sprout den bittersüßen Intelligenz-Pop neu definierte. Anderswo haben die kaum weniger einflussreichen Belle & Sebastian oder Aztec Camera musikalisch Pate gestanden.
Überhaupt ist - neben den obligatorischen Sixties-Referenzen - der Soul-nahe britische Softpop wieder ein Ausgangspunkt für Lekman, der mit «Night Falls Over Kortedala» (2007) sein bisheriges Opus magnum ablieferte. Diesmal sind die Harmonien noch etwas ausgereifter und wärmer, die Crooner-Stimme des liebestrunkenen Sängers schmeichelt sich noch näher an den Hörer heran.
Man fühlt also mit ihm, wenn er im Titelsong «Let's get married...» fleht und ihn prompt ein glockenhelles, spöttisches Frauenlachen zum Deppen stempelt. Spätestens hier kommen die Liebesleid- und Lebensbekenntnisse in den Sinn, die der legendäre Kevin Rowland kürzlich auf dem fantastischen Dexys-Comeback augenzwinkernd-selbstironisch ausgebreitet hatte.
Zum Glück ist Selbstmitleid auch Lekmans Sache nicht, das macht diese schönen Lieder umso sympathischer. Kurz: Mit «I Know What Love Isn't» betört der Schwede wieder den weiblichen Teil seines Publikums - und imponiert dem männlichen als einer der klügsten europäischen Singer/Songwriter. Da darf man wohl «tack» (Schwedisch für Danke) sagen.
Konzerttermin: Jens Lekman tritt am 26. September im Berliner Postbahnhof auf.










