«Sun» (Matador/Beggars/Indigo) heißt das neue Album der unberechenbaren Singer/Songwriterin aus Atlanta/Georgia. Es wendet sich ab vom wohlig-warmen Südstaaten-Soul ihres Meisterwerks «The Greatest» (2006) und den erlesenen Cover-Versionen von «Jukebox» (2008). Stattdessen experimentiert Cat Power mit elektronischen Loops und Beats, Synthie-Schlieren, rauem Gitarrenrock und ihrem unnachahmlich charismatischen Gesang, den sie als Produzentin des Albums so abwechslungsreich arrangiert hat wie nie zuvor.
Es erinnert an Joan Wasser (Joan As Police Woman) oder die kanadische Kollegin Feist, wenn Cat Power in «3, 6, 9» oder «Peace And Love» ihre eindringliche Stimme verfremdet, doppelt und dreifach, gar in eine Art Rap verfällt (keine Sorge, mit krampfigem Hip-Hop hat das nichts zu tun). Die Songs klingen auch mal spröde wie «Always On My Own» oder verkopft wie «Real Life», aber immer mindestens interessant und reizvoll.
Die Aufnahmen zu «Sun» gingen laut Internetmagazin «Pitchfork» einher mit Marshalls Trennung von ihrem Lebenspartner, dem Schauspieler Giovanni Ribisi. Das feministisch angehauchte Selbstbewusstsein, mit dem die 40-Jährige etwa im Song «Human Being» wieder ins Rampenlicht tritt, lässt dennoch hoffen, dass sie ihre diversen, auch öffentlich geäußerten Lebenkrisen hinter sich hat.
Cat Power gehört zu den besten Singer/Songwriterinnen ihrer Generation - das hat sich längst herumgesprochen und ist in zahlreichen prominenten Kollaborationen dokumentiert. Auf «Sun» singt Iggy Pop mit - im passend betitelten, gedehnten Elfminüter «Nothing But Time», einem der Höhepunkte dieses eindrucksvollen Albums.











