Der große Britfolk-Melancholiker Nick Drake (1948-1974) kommt in den Sinn, wenn man die zehn Songs und Skizzen dieses feinen Albums hört. Die auf Gitarre, Strings und weibliche Background-Vocals beschränkten Arrangements erinnern ungemein an die drei legendären Drake-Alben, vor allem an sein verzweifeltes «Pink Moon» (1972).
Auch stimmlich ist der in Brooklyn lebende Amerikaner Stratton nah dran an dem zu Lebzeiten völlig unbekannten britischen Singer/Songwriter, dessen Lieder wie «River Man», «Day Is Done» oder «Northern Sky» heute Klassiker-Status haben. So zwingend wie diese wunderbaren Drake-Songs sind die Melodien auf «Post-Empire» natürlich nicht, manches klingt noch etwas spröde und tastend.
Aber allein die Ambition, es mit Englands Gitarrenfolk-Ikonen - neben Drake noch Bert Jansch oder Davy Graham - aufzunehmen, verdient Respekt. Die hohe Kunst von Liedern wie «At The Table Of The Styx» oder «If You Wait Long Enough» besteht darin, dass sie introvertiert und mit ihrem herrlichen Sechssaiter-Sound zugleich üppig klingen. Am schönsten gelingt dies auf dem exquisiten, streicherdurchwehten «The Relatively Fair» - mehr Drake geht nicht.
«Post-Empire» ist kein Album für nun anstehende ausgelassene Fußball-Abende. Aber wer sich während oder nach dem EM-Trubel von einem sensiblen Sänger und fantastischen Gitarristen beruhigen lassen möchte, trifft mit Will Stratton die richtige Wahl.











