Vor einigen Jahren erlebte die Band um Stuart A. Staples ihre größte Krise, es gab Umbesetzungen, aber die Truppe kam wieder nach vorne. Nicht zuletzt, weil sie seit einiger Zeit endlich auch ihr eigenes Label haben und keine Kompromisse mehr eingehen müssen.
Das neunte Studioalbum «The Something Rain» (City Slang) atmet in jedem der neun großflächigen Tracks dieses neue Selbstbewusstsein, eine bislang unbekannte Freiheit scheint die Band endlich dahin gebracht zu haben, wo sie schon lange hin wollte.
Dabei geben sich die fünf Briten keineswegs anbiederisch, sondern legen als Opener gleich einmal ein neunminütiges Stück lyrisches Storytelling hin, eine tragikomische Liebesgeschichte, Freitagabend in London. Am Ende gibt es eine Tasse echter Schokolade und eine Überraschung. Großartig minimalistisch preludiert, erlangt «Chocolate» große Dramatik mit kakophonischen Bläsern, bevor die grandios suggestive Erzählstimme von Keyboarder und Drummer David Boulter zart verebbt.
Überhaupt zeigen sich Tindersticks musikalisch ungewohnt vielseitig, statt trauriger Streicher dominieren Saxofone und Glockenspiele, einige der ausgefeilt arrangierten Tracks, die immer auch wie ein Soundtrack funktionieren, swingen gar lässig vor sich hin: ein so cooler Retro-Schwenk wie «Slippin' Shoes» war von dieser Band nicht unbedingt zu erwarten. Zum Ende hin wird es auch wieder bedächtiger, «Come Inside» klingt wie eine zärtlich-ätherische Umarmung, mitten im englischen Regen. Sehr schön.
Im März kommen Tindersticks nach Deutschland: 7.03. Berlin, Volksbühne; 12.03. Köln, Gloria; 13.03. Hamburg, Thalia-Theater; 17.03. Heidelberg, Stadthalle; 18.03. München, Muffathalle











